Weser-Kurier 30 May 2005

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Weser-Kurier 30 May 2005 Ausdrucksvolles Konzert der Bremer Philharmoniker unter Ari Rasilainens Leitung in der Glocke Von unserem Mitarbeiter Hartmut Lück BREMEN. Beim Blick auf das Programm des 11. Philharmonischen Konzerts in der Glocke mochte sich manch einer vielleicht fragen, wie der Dirigent bei dieser recht entlegenen Kombination wohl seine wahren Fähigkeiten würde zeigen können. Beethovens Erste Sinfonie - gut, aber dann ein dreiviertelstündiges Solokonzert, wo er ja "nur begleiten" musste. Aber weit gefehlt: der Finne Ari Rasilainen hinterließ bei beiden Werken einen vorzüglichen Eindruck und machte aus dem zunächst unansehnlich erscheinenden Programm ein Ereignis.Rasilainen versuchte nicht, bei Beethovens sinfonischem Erstling in C-Dur mit den Bremer Philharmonikern unbedingt eine eigene Lesart vorzuführen, sondern ließ das Werk ganz zu sich selbst kommen: schon die äußerst präzis konturierten ersten Einsätze, die ausgewogene und kontrollierte Balance der Instrumentengruppen und die übersichtliche Themenformulierung nahmen spontan ein. Zudem war es ein Genuss, Rasilainen bei seinem völlig natürlichen, gewandten und flexiblen Schlag zuzusehen. Er forderte von dem Orchester weder Geschwindigkeitsrekorde noch Gefühlsduselei, sondern exakte Konstruktion, deutliche Phrasierung und Flüssigkeit der Diktion.Wie sehr Rasilainen befähigt ist, sich in die Spezifik eines konkreten Werkes hineinzudenken, zeigte sich nach der Pause in Edward Elgars Violinkonzert h-moll op. 61. Eine völlig andere Musiksprache: hochromantisch, rhapsodisch, schwärmerisch, manchmal auch etwas redselig; aber auch hier fand Rasilainen, unterstützt durch das bestens aufgelegte Orchester, den richtigen Ton, ein spannungsvolles, aber auch ausdruckvolles Musizieren, wie es dem geheimen Programm dieser verschlüsselten Liebesbotschaft angemessen ist.

Strahlender Star dieser Wiedergabe war Thomas Bowes, der nach seinem dankenswerten Einspringen bei Benjamin Brittens Violinkonzert in der vergangenen Saison zu Recht wieder verpflichtet worden war. Er widmete sich den Lyrismen des Elgar-Konzertes mit leuchtendem Ton, auch gelegentlichen süßlichen Schleifern, was aber gar nicht unpassend wirkte, und dann wieder auch mit dem Aplomb des Virtuosen.Besonders gefiel die Intimität und Sanglichkeit des Andante, aber auch der Lento-Cadenza im Finale mit ihrer fast stillstehenden Musik verlieh Bowes sehnsuchtsvolle Tiefe. Vielleicht gehört Elgars Konzert, auch wegen der Überlänge, nicht unbedingt zu dem, was man "eisernes Repertoire" nennt, aber mit diesem fulminanten Interpreten und der sehr farbenprächtigen Assistenz des Orchesters war es eine Darstellung, wie man sie sich ausgewogener kaum wünschen kann.

English version

Expressive concert by the Bremer Philharmonic in the Glocke under the baton of Ari Rasilainens (german version) By Hartmut Lück BREMEN. On looking at the programme for the 11th Philharmonic Concert in the Glocke many a person might well ask how the conductor would be able to show his ability with such a contrasting programme. Beethoven’s First Symphony – fine, but then the 45 minute Violin Concerto, where he had to ‘just accompany’. But it was far from problematical: the Finn, Ari Rasilainen, made an exquisite impression with both works and from the initially unseemly-looking programme made an occasion to remember. In Beethoven’s first symphony in C Major Rasilainen did not categorically try to demonstrate a personal interpretation, but allowed the work to express itself: even the extremely precisely phrased first phrase, the weighed and controlled balance of the instrument sections and the concise establishment of themes were immediately captivating. What’s more it was a pleasure to watch Rasilainen’s completely natural, competent and flexible beat. He aimed at neither speed records nor sentimentalism, but for precise structure, articulate phrasing and fluidity of diction. How very competent Rasilainen is in trying to understand the detail of a substantial opus, was shown after the pause in Edward Elgar’s B minor violin concerto op 61. A totally different musical language: highly romantic, rhapsodic, quixotic, sometimes somewhat loquacious; but here too, supported by the optimally disposed orchestra, Rasilianen found the right tone, music-making full of tension, but expressivness, too, as befitted this encrypted message of love.

The dazzling star of this rendition was Thomas Bowes, who was rightly reengaged after his praiseworthy stand-in in Benjamin Britten’s Violin Concerto last season. To the lyricism of the Elgar Concerto he applied a luminous tone, as well as occasional sweet burnishing, which was not at all out of place, and then once again the aplomb of a virtuoso. Especially pleasing were the intimacy and lyricism of the Andante, but Bowes also bestowed longing depths on the Lento-Cadenza in the Finale with its almost motionless music. Perhaps Elgar’s Concerto, partly because of its excess length, does not categorically belong to the so-called standard repertoire, but with this explosive interpreter and the colourful assistance of the orchestra, one could hardly wish for a more balanced performance.